Tassilokelch verlässt
die Klostermauern

Tassilokelch, nach 763 und vor 788, © Kremsmünster, Benediktinerstift, Foto: Josef Leithner

Tassilokelch, nach 763 und vor 788, © Kremsmünster, Benediktinerstift, Foto: Josef Leithner

Der Tassilokelch aus der Schatzkammer des Benediktinerstiftes Kremsmünster wird die Aachener Ausstellung „KARL DER GROSSE. Macht Kunst Schätze“ bereichern. Das kostbare eucharistische Gefäß, das aus der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts stammt, gilt als der bedeutendste unter allen erhaltenen mittelalterlichen Kelchen. Der Kelch, der sich seit der Stifts-Gründung im Jahr 777 in Kremsmünster befindet und diesen Ort bisher nur einmal, anlässlich einer eucharistischen Feier mit Papst Johannes Paul II. in Salzburg, verlassen hat, wird jetzt zum ersten Mal für eine Ausstellung ausgeliehen – und kommt ausgerechnet nach Aachen, das einstige Machtzentrum Karls des Großen.

Der vergoldete Kupferkelch geht auf den Gründer des Klosters zurück, Bayernherzog Tassilo III., der ihn möglicherweise anlässlich seiner Hochzeit mit Liutpirg, der Tochter des Langobardenkönigs, stiftete. Der aufstrebende Vasall und geschickte Bündnispolitiker war ein hartnäckiger Widersacher seines Vetters Karl, auf dessen Betreiben Tassilo 788 zu einer Synode nach Ingelheim bestellt und wegen Treuebruchs angeklagt wurde. Das angebliche Vergehen lag zu diesem Zeitpunkt zwar schon 25 Jahre zurück, aber es reichte für ein Todesurteil gegen Tassilo, das Karl in herrschaftlicher „Milde“ in lebenslange Haft umwandelte. Der Herzog und seine Familie wurden auf Klöster im gesamten Frankenreich verteilt. Ein Jahr nach dem Prozess mussten alle freien Männer Karl die Treue schwören.

Der Tassilokelch wird in der Teilausstellung „Karls Kunst“ präsentiert und mit ihm etwa 30 weitere einzigartige karolingische Kunstwerke. Dazu gehören illuminierte Prachthandschriften, Elfenbeintafeln und Silber- und Goldschmiedearbeiten, die im Zuge der „karolingischen Renaissance“ entstanden sind, viele an der Aachener Hofschule.

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