Aachen 814

Karl der Große und das Haus Löwenstein

Anlass der Ausstellungen ist der Tod Karls des Großen in seiner Aachener Pfalz „Aquispalatium“ am Samstag, den 28. Januar 814. Karl war zu diesem Zeitpunkt König der Franken, König der Langobarden und (west-)römischer Kaiser. Seit 794 hatte er sich fast ununterbrochen in Aachen aufgehalten und die heißen Thermalquellen aus gesundheitlichen Gründen genutzt. Gleichzeitig ließ er die Pfalz zu einer monumentalen Palastanlage ausbauen. Die politische Macht hatte sich dadurch – ganz im Gegensatz zum zeittypischen Reisekönigtum – an einem einzelnen Ort konzentriert. An diesem Ort befand sich zudem eine differenzierte, multiethnische Hofgesellschaft, zu deren Kennzeichen die Anwesenheit von Gelehrten aus allen Teilen des karolingischen Reiches zählte.

Noch am Tag seines Todes wurde Karl in der von ihm neu errichteten und reich ausgestatteten Marienkirche, dem heutigen Dom, beigesetzt. Otto III. ließ das Grab im Jahr 1000 öffnen und wieder verschließen. 1165 wurde der Leichnam bei der Feier der Heiligsprechung aus dem Grab erhoben und in ein vorläufiges Reliquiar, 1215 dann in den bis heute existierenden Karlsschrein überführt. Karl wurde zum Ideal eines heiligen Herrschers nach mittelalterlichem Verständnis stilisiert. Sein Grab wurde zum Symbol- und Legitimationsort mittelalterlicher Herrschaft schlechthin.

Zum Zeitpunkt des Todes Karls hatte das fränkische Reich – vor allem durch militärische Expansion und Unterwerfung – eine enorme Ausdehnung angenommen. Es reichte von der Elbe im Osten bis zu den Pyrenäen im Westen, von der Nordseeküste bis Mittelitalien, und es stand in diplomatischem Austausch mit Byzanz und der islamischen Welt. An die Stelle von Reichsteilungen, Bruderkriegen und Instabilität, die die Geschichte des fränkischen Reiches bis dahin durchzogen hatten, war ein relativ stabiler Verband getreten. Eine Zentralisierung der Herrschaft und Reformen auf rechtlichem, ökonomischem, religiösem und kulturellem Gebiet sollten ihn weiter festigen. Doch bereits in der Generation der Enkel Karls zerbrach das Gebiet in Teilreiche und militärische Auseinandersetzungen. Der Tod Karls markiert insofern einen historischen Wendepunkt vom Bestreben einer Wiederherstellung des römischen Reiches hin zu einem Prozess, aus dem im Laufe der folgenden Jahrhunderte unter anderem Frankreich, Deutschland, die Benelux-Länder und Italien hervorgehen sollten.

1200 Jahre nach Karls Tod wird die Ausstellungstrias historische wie aktuelle Dimensionen dieses Ereignisses aufzeigen.

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